„Experten“, die eiskalten Maschinenmenschen

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Die Frage auf wessen Sumpf all die dem österreichischen Volk von oben herab zugefügten Schikanen und Quälereien keimen und gedeihen, findet eine Antwort. Die hämisch gesponnenen Einfälle der eiskalten Maschinenmenschen sind Quelle der stets sich ändernden Quälereien, die uns zugefügt werden. Es sind die Einflüsterer der glitschigen Emporkömmlinge an der Macht.


Ungepflegt und unansehnlich gekleidet krochen sie aus den elfenbeinernen Türmen der Zahlen und Formeln. Endlich im Schatten der Macht ans Öffentliche gelangt, gesehen und gehört werden, häufig zitiert von den durch die Macht gekauften Tastenklopfern in den Redaktionsstuben, die Verbalhäteren und sprachlich unbemühten Maulhelden dieser unseligen Zeit. Endlich Experimente am Menschen ausführen dürfen, die glitschigen Emporkömmlinge an der Macht erlauben es. Demzufolge lassen sich die eiskalten Maschinenmenschen Schikane um Schikane einfallen. Kaum ausgesprochen, ins Ohr geflüstert, eilends verordnen es die Machthaber. Die Lust an der Macht bemächtigt sich der eiskalten Maschinenmenschen. Denn so eisig abgestorben es auch sein mag im Inneren, so kribbelt doch das Gelüst im Dunstkreis der Macht.


Der Mensch als Studienobjekt, als Faktor potentiell infektiösen Fleisches, als zu sezierender noch am Leben befindlicher Körper, der schlußendlich als Punkt in einer Formel endet. Eine Masse an untersuchbaren Leibern. Was man mit ihnen alles anstellen kann, wenn sie, Herdenvieh gleich, in Angst in die gewünschte Richtung getrieben werden können.


Nicht der Mensch und seine Einzigartigkeit in Seele, Geist und Körper, sondern das reine Objekt als in Zahlen zu fassender Faktor, ist für diese eiskalten Maschinenmenschen von Bedeutung. All das durch sie und die glitschigen Machthaber verursachte Leid in Seele, Geist und auch Körper sehr vieler Menschen gilt als Bedeutungslos. Bloß Zahlen, Formeln und das chinesische Virus als vereinzelte Materie unter dem Mikroskop dienen als geschärftes, trennendes Taktschwert über eine sich in Zerstörung befindende Gesellschaft von einstmaligen Individuen, die in einen digitalen Überwachungsalptraum einer seelenlosen Masse von Roboterameisen getrieben werden sollen. Der völlig seiner Einzigartigkeit sowie seines inneren Kerns, Geistes und Wesens beraubte Mensch gemäß ihrer Vorstellung: gleichsam seelenlos wie sie selbst, die eiskalten Maschinenmenschen und die Machthaber, die uns all diese bedrückende Drangsal zufügen.

Fluchtachterl, 30.4.2021

Österreichs Schande: die Journaille

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Zuweilen ist es notwendig, auf die Umschreibungen zu verzichten und es ohne Metapher auszudrücken. Die großen Zeiten der österreichischen Berichterstattung sind seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten vorbei. Vergangen die Zeiten als mutige, legendäre Persönlichkeiten noch den Ethos der Wahrheitsfindung, der Recherche und der Fähigkeit, alle weltanschaulichen Aspekte zu berücksichtigen, lebten, zu Papier oder in den Äther brachten.

Nun, nachdem seit längerem die Ideologie die Vertreter besagter Zunft in Beschlag genommen hatte, wurden die publizistischen Erzeugnisse zunehmend tendenziöser und langweiliger. Ideologie steht über Information und Berichterstattung der tatsächlichen Ereignisse. Auslassungen von Sachverhalten, die nicht in den strengen Rahmen der Ideologie oder des derzeit herrschenden von den Machthabern vorgegebenen Dogmas passen. Gemeine, hämische Herabwürdigung aller, die bei diesem Regime nicht mitmachen wollen, Umstände, Verhalte hinterfragen, anzweifeln oder anders betrachten. Dies in oft grobschlächtiger, eisig schneidender Sprache verfaßt, um dem Treten nach den anderen stärker Ausdruck zu verleihen. Der andere Teil, der gehört werden müsste, als Feind. Kein Deut mehr von unserer Verfassung, die in ihr verankerten Grundrechte wie Meinungs- und Redefreiheit. Der Andersdenkede als verachtetes Subjekt.

Eine fette, vom Regime gemästete Made, billig und willig. Hetäre wäre noch eine Untertreibung für die heruntergekommene Zunft. Nach oben buckelnd, nach unten tretend, käuflich, unlauter und hinterhältig.

Bloß äußerst wenig Abweichendes größtenteils abseits des Etablierten stellt einen Hoffnungsschimmer dar, daß Österreich doch nicht völlig im Untertanengeist und Obrigkeitshörigkeit versumpert und untergeht. Wiewohl es noch viel zu wenig ist und die Machthaber schlimmer wüten denn je. Das gekaufte Tastenklopfertum in den Redaktionsstuben, eine Schmach für Österreich!

Österreich im März 2021: der sich ereignende Alptraum des Autoritären – oder wenn durch Kungelei und Ärgeres Emporgekommene die Herrschaft erlangen

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Das Ende der Freiheit war bereits vor einem Jahr ungefähr um diese Zeit eingeleitet worden. Man ließ es ohne langes Nachdenken geschehen, zu groß war die Angst vor dem unbekannten Virus aus China. Nun, da ein Jahr vergangen, stellt man fest, daß man mehr Angst vor den glitschigen Emporkömmlingen an der Macht, vor dem von ihnen geschaffenen Staat der „Neuen Normalität“  haben sollte. Es ist dieses uns regierende, schleimige Emporkömmlingstum, das, in Machtrausch geraten, die auf verfassungsrechtlich verankerten Grundrechten beruhende, freie Gesellschaft zugunsten einer autoritären Willkür hinweggefegt hat. 

Nun, da man nach Tirol auch uns hier im Osten zu demütigen und quälen gedenkt, stellt sich die Frage, warum kaum oder nur wenig Widerspruch vorhanden ist, wiewohl es doch rumort im Druckkochtopf. Herrschaft durch Schüren von Angst funktioniert seit Menschen gedenken. Diese Tatsache hat sich trotz aller großartigen Errungenschaften wie den demokratischen, durch Verfassung und Rechtsstaatlichkeit freien Staat, der jedem Individuum Grundrechte und Freiheiten sichert, nicht geändert. Dieser freie Verfassungsstaat wurde mit ein paar Federstrichen ausgesetzt wenn nicht gar beendet. Letzteres ist zu befürchten.

In diesem Land gibt es nichts mehr. Geist-, humor- und kulturlos ist Österreich geworden! Mensch dümpelt mangels anderer Möglichkeiten meist zu Hause dahin, stets in Angst vor einem zunehmend despotischer agierenden Staat. Im Vordergrund die angebliche Sorge um die Gesundheit aller, im Hintergrund vermutlich die wahren Strippenzieher über die wir nur Mutmaßungen anstellen können.

Zermürbend, nachgerade innerlich zerstörend, die unberechenbaren Verhältnisse, die andauernden Schikanen, die durch diese trostlosen Verhältnisse entstehende Hoffnungslosigkeit, die Gewißheit, daß es nie mehr wird wie es war und wir uns allen Anzeichen nach von der einst freien Gesellschaft verabschieden werden müssen. 

Nebst den glitschigen Emporkömmlingen, bestimmen über uns seelenlose, innerlich völlig erkaltete Maschinenmenschen, die ihre innere Leere vergeblich mit aseptischen Zahlen auszufüllen versuchen. Alles Lebendige in uns kann in diesem seelenlosen Umfeld nur vertrocknen. Es sind wohl diese zahlenbesessenen, seelenlosen Maschinenmenschen, die selbst davor nicht zurückschrecken, die Seelen der Kinder schwer zu verletzen und die glitschigen Emporkömmlinge hören auf ihre heimtückischen Einflüsterungen.

Dies im Geburtsland von Sigmund Freud, dem Land, wo man zum ersten Mal in der Geschichte der westlichen Welt, der menschlichen Seele als Bestandteil der körperlichen Gesundheit Raum gab. Eine Schmach!

Befeuert durch die von den Machthabern gekauften Tastenklopfer in den Redaktionsstuben wird weiterhin Angst geschürt, was ihnen das Ausüben ihrer Macht weiterhin ermöglicht.

Dies ist die Epoche der desinfizierten Trostlosigkeit, freudlos und ohne Hoffnung. Kaum Widerspruch, wenig Widerstand. Es herrscht dumpfes hinnehmen in Angst, Furchengänger und vernadernde Denunzianten feiern fröhliche Urständ. Hier ist es nur mehr zum Verzweifeln und der Schreiber dieser Zeilen hat wesentlich mehr Angst vor dem Staat als vor dem Virus aus China!

Hinabgleitend in die geist- und seelenlose Autokratie, unfroh und zermürbend, Österreich 2021: der sich ereignende Alptraum!

Fluchtachterl, 24.3.2021

Das neue Spielchen der Machthaber: Gemeinden abriegeln

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Die hysterische Testerei, die seltsamerweise wie von allmächtigen Experten bestellt und vorhergesagt, Zahlen steigen oder sinken läßt, führt wie befürchtet zu einem neuen Spielchen der Machthaber mit ihren Untertanen. Man riegelt ganze Gemeinden ab. Wobei man im Falle von Wiener Neustadt das Personal für die Kontrolle gar nicht zur Verfügung hat. Bei kleineren Gemeinden in Tälern Tirols oder Salzburgs tut man sich da leichter. Um diese verlassen zu dürfen, müssen die Untertanen sich wie markiertes Herdenvieh anstellen, um solch einen Test durchführen zu lassen, um einen Wisch zu erhalten. . Dieser gestattet gnädigerweise die Ausreise aus der Gemeinde. Wer vor einem Jahr noch dachte, derlei sei bloß einst in der kommunistischen Sowjetunion oder sonstigen Tyranneien möglich gewesen, wird nun wieder einmal eines besseren belehrt.

Österreich inmitten des nunmehr Groß-Ostblocks Europa. Vom Tafelspitz-Kommunismus in die Harcoreversion des real Existierenden? Es nimmt und nimmt kein Ende!

Fluchtachterl, 11.3.2021

Ein kleines, grünes Rechteck, oder die Kennzeichnung als nächste Stufe zum Überwachungsglück der Mächtigen

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Man weiß nicht mehr, wie man die Machthaber in Österreich und ihren Vorsitzenden, den Bub ohne jegliche Berufsaus- und sonstige Bildung nennen soll. So einiges fiele einem ein, nur nicht Regierung einer rechtsstaatlichen Demokratie mit in der Verfassung verankerten Grundrechten und Freiheiten. Das Österreich der „neuen Normalität“ ist so einiges, nur letzteres mit Sicherheit seit zwanzigzwanzig nicht mehr. Wobei diese Normalität so neu auch wieder nicht scheint, zieht man historische Vergleiche, die stets unzulässig sowie unseriös sind. Wiewohl: ein leicht gestriges Gschmackerl ist doch dabei. Zumindest das Autoritäre ist in unseren Gefilden des cisatlantischen Abendlandes wohlbekannt.

Nun weilt der Vorsitzende, besagter Bub, im Heiligen Land, wo man eine wunderbare Erfindung gezaubert hat. Ein elektronisches, kleines, grünes Rechteck, das jedem Untertanen, der geimpft wurde dieses Ereignis auf sein Smartfohn bannt, damit es elektronisch ablesbar ist und der Untertan Zutritt zum Leben erhält, sprich all das machen darf, was vor zwanzigzwanzig selbstverständlichst war. Wer es nicht hat? Verdächtigt und eingeschränkt!

Das gefällt dem stets autoritärer handelnden Buben aus Österreich und seinen Mitregenten, sowie all den anderen Machthabern der Länder in unserem an Wahn- und Irrsinn stets reicher gesegneten Erdteil. Die vollständige Überwachung, Herrschaft durch Angst, Einsperren durch Hausarrest und die Teilhabe am Leben verweigern für jene, die es nicht mit sich machen lassen.

Als dieser Erdteil noch in eine kommunistisch-unfreie und freie, westliche Hälfte geteilt war, konnten die verfolgten Gegner der Regime des Sowjetkommunismus, unter Gefahren zwar, aber doch, in freie Nachbarländer oder in die Freiheit Amerikas flüchten. Wer hier und jetzt nicht  mitspielt, kann nirgends mehr hin. Dieser gesamte Erdteil Europa, das gesamte Abendland, ein einziger, grauer, deprimierender Ostblock und der Bub aus Österreich als gicksender Pfau inmitten der autoritären Gesundheitslangeweile, mit nicht minder ödem, aschgrauem Gefieder um eine zukünftige Karriere auf höherer Ebene balzend.

Angebrochen ist eine völlig humor- und kulturlose Epoche, deren Sprache dergestalt eisig, hart und schneidend geworden ist, daß  die Gräben zwischen den Menschen, die ohnehin stets tiefer und breiter werden, noch stärker aufreißen. Es ist die Epoche der lebensfeindlichen, unfrohen Zeitgenossen deren Lebensmittelpunkt bloß die eigenen Körperfunktionen sind und die jede noch so absurde Schikane der Mächtigen und ihrer allmächtig gewordenen Experten gegen uns Untertanen beklatschen. Ihre Unkultur, ihre Unsprache und ihr Unfrohsein wird die Überwachungsmechanismen programmieren und uns zu dem trimmen, was sie als „Wohlverhalten“ erachten.

Der Schreiber dieser Zeilen wird  immer Österreicher sein und bleiben, aber er hätte dieses, sein Land aufgrund des ständigen Drucks und größerer Angst vor diesem Staat als vor dem chinesischen Virus verlassen, gäbe es ein wirklich freies innerhalb des Abendlandes, nur es gibt eben keines mehr. So bleibt er im Land der Schwachen inmitten des Erdteils der Schwachen. In der überwachten, moralingetränkten, stets autoritärer werdenden „neuen Normalität“ bleiben einem immerhin die Erinnerungen und die freien Gedanken. Die können sie (noch) nicht knechten und überwachen.

Fluchtachterl 5.3.2021

Mein Tirol

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Angesichts einer stets wilder um sich schlagenden Staatsmacht, deren Toben derzeit das österreichische Bundesland Tirol besonders trifft, der Versuch einer anderen Betrachtung als der von offizieller Seite sowie vom gekauften Tastenklopfertum der Redaktionsstuben verbreiteten.

Es war vor sehr vielen Jahren, als ein Kind aus einem Wiener Vorstadtbezirk das erste Mal mit seinen Großeltern aus Niederösterreich zwei Wochen auf Sommerfrische in der Umgebung des Wilden Kaiser verbrachte. Ein liebevoll eingerichtetes Familienzimmer in einer Frühstückspension. Blickte man aus dem Fenster, sah man das mächtige Massiv des Wilden Kaiser. Wanderwege, Sessellifte, Almen, die Landschaft, Kühe, an denen man zügig vorbeiging, ganz ohne Anweisungen oder Broschüren, in denen erklärt wird, wie man sich auf Almen zu verhalten habe.

Ein Restaurant, in dem wir Stammgäste wurden. Verdauungsspaziergänge durch den Ort am Abend. Manchmal bekam der Schreiber dieser Zeilen einen Eisbecher nach dem Essen, mit Schlagobershaube, auf der sich ein buntes Cocktailschirmchen befand. Die Schirmchen waren etwas Besonderes und wurden vom Schreiber dieser Zeilen entsprechend geschont und aufgehoben. Es war vor der Abreise als der Abschiedseisbecher zusätzlich von zwei Schirmchen begleitet war, serviert vom Besitzer des Restaurants selbst. Wir mögen wieder kommen, meinte er. Wir kamen wieder.

Viele Jahre später, bereits mit abgeschlossener Ausbildung, mehrmals Tirol, wiewohl beruflich. Von den unzähligen Tätigkeiten außerhalb Wiens zählten diese zu den angenehmsten Aufträgen. Wiewohl für Wiener, Ostösterreicher, das geradlinigere Wesen, dessen Worte unumwundener sind, anfangs ein klein wenig einschüchternd sein mag, wird Tirol bald ein Ort, an dem man gerne verweilt.

Der Schreiber dieser Zeilen war stets gerne dort, in verschiedenen Orten und Städten, Inntal und Ötztal. In Innsbruck zu wenig Zeit, dennoch einiges gesehen, die Stadt liebens- sogar lebenswert. Tirol ist schöne Erinnerung, die stets mit einem Lächeln der Zuneigung begleitet wird.

Im Grunde wollte der Schreiber dieser Zeilen bloß zu Papier bringen, daß ihm das Vorgehen der Machthaber in dieser Woche in bezug auf Tirol nicht gleichgültig läßt, im Gegenteil. Es ist Tirol diese Woche großes Unrecht widerfahren! Österreicher gegen Österreicher aufzubringen, man darf es nicht geschehen lassen!

Fluchtachterl, 11. Februar 2021

Pressekonferenz

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„Endlich!“ Patrick Gruber seufzte auf. Die Skulptur aus Wien war eingetroffen. Sybille Zach, seine Freundin aus Jugendtagen und nun Galeristenkollegin im Wiener Bezirk Mariahilf hatte Wort gehalten und sie ihm zukommen lassen. Ein keuchender etwas rundlicher Mann hatte in Eile die Holzkiste auf den Boden gestellt, nachdem Patrick mit lauter Stimme „Vorsicht“ gerufen hatte, als er ahnte, der in Eile befindliche Lieferant würde sie am liebsten einfach grob auf den Boden fallen lassen.

Eine echte „Mara von Schurr“ würde seiner Gallerie in der Innsbrucker Sillgasse den allerletzten Schliff geben, dessen war sich Patrick sicher. Sie würde hervorragend neben der Phallusskulptur aus reinem Obsidian von Leo Moroder aussehen, einem der bekanntesten Vertreter der „Wilden Innsbrucker“, die sich stets mehr auf dem Kunstmarkt in Österreich behaupteten. Nur durch Sybilles Beziehungen war es ihm möglich, dieses Objekt in seiner Galerie auszustellen. Bei dieser nur mehr als elend zu bezeichnenden Weltwirtschaftslage, gab es ausgesprochen wenige und allseits bekannte betuchte Sammler. Patrick mußte mit Galeristen im gesamten Land um diese spärlich gesäte Kundschaft buhlen und die Arbeit Mara von Schurrs könnte sie ihm gewogen halten, hoffte er.

Patrick holte den großen Schraubenzieher aus dem Werkzeugkasten im Büro. Es kostete ihm einige Mühe, das obere Brett der Kiste mit dem Schraubenzieher zu lösen und abzunehmen. Behutsam hob er den Knäuel aus Luftpolsterfolie aus der Kiste.

Nun stand sie vor ihm die Skulptur aus glänzendem, weißen Kunstharz. Ein glattes männliches Gesäß mit großen Ohren aus dessen Falte sich eine bräunliche Masse aus Silikon über die Marmorplatte, auf der die Skulptur montiert war, ergoß. Aus der bräunlichen Masse ragte ein kleines, schwarzes Mikrophon.  „Pressekonferenz“ war der Titel des Werks.

Mit einem Filztuch entfernte Patrick seine Fingertapper von der Skulptur. Als er sich danach die Stoffhandschuhe angezogen hatte, stellte er die Skulptur auf den eigens für sie vorbereiteten Präsentationstisch.

„Pressekonferenz“ sei ein Einzelstück, versicherte ihm Sybille, die er angerufen hatte, um sich zu bedanken.

„Drei Wochen fürs Liefern, na servas.“, seufzte sie „für den ‘Waldgeist’ von Moroder war ich dir was schuldig, also verkaufs teuer und nur an Unpolitische, sonst… die Schurr ist nicht unumstritten, was das betrifft!“ fuhr sie fort.

„Mach ich! Ich paß auf! Danke nochmals. Pfiat di.“, Patrick verabschiedete sich und wußte, daß die Umstände ein Treffen mit seiner Jugendfreundin noch sehr lange Zeit verhindern würden. Für diesen Gefallen hätte er sich gerne persönlich bei einem Glas Wein bedankt.

Die mittlerweile sechste Pandemie empfand Patrick als quälender, bedrückender und peinigender als jene, die zuvor von den Menschen ertragen werden mußten. Abermals hatte ein ansteckender Erreger aus China die Welt in Schrecken versetzt. Das Chongqing-Virus, war verlautbart worden, sei äußerst ansteckend, Fieber und Nasenbluten bei einigen Infizierten, von schweren Verläufen wurde berichtet, wie bei den Panemien zuvor. Erst nach Wochen behördlich verordneten Zusperrens des öffentlichen Lebens durfte Patrick seine Galerie wieder öffnen.

Sein Rechner befand sich in seiner kleinen Wohnung im ersten Stock oberhalb der Galerie. Er hatte sich ein kleines, gemütliches Reich mit wenigen, preisgünstigen Möbeln und Dekorationen geschaffen, an das er die letzten Jahre hindurch gebunden war. Vergnügungen, kleine Freuden wie Gasthausbesuche im „Goldenen Reh“, Theatervorstellungen im Landestheater oder den Kammerspielen, gar Reisen, war nur in vereinzelten Fällen in den Ruheperioden möglich gewesen. Kaum war eine Pandemie durch eiligst hergestellte Impfstoffe, oder da sie einfach verschwunden war, beendet, brach nach einiger Zeit der Ruhe die nächste Seuche aus China über die Welt herein. Patrick war, wie beinahe alle Menschen, matt, ermüdet von all den Vorschriften, Schikanen, Demütigungen, Überlebenskämpfen, zerschlagen durch die Angst vor dem Staat und seiner Behörden, sowie all den Unbill und Verdruß, den diese regelmäßigen Heimsuchungen ansteckender Erreger aus China mit sich brachten. In seiner kleinen Wohnung, so einsam es dort war, gelang es ihm, die Welt doch ein wenig auszublenden

„Pressekonferenz“ hatte er zuvor von allen Seiten in der Galerie fotografiert und lud sie in die Netzseite hoch. Zweihunderttausend Neue Schilling veranschlagte er, was ihm angesichts des Ruhms der Künstlerin angemessen schien. An der Biografie Mara von Schurrs feilte er herum, obzwar ihm bewußt war, daß in den an Objekten dieser Klasse interessietrten Kreisen, sie mehr als ein Begriff war.

Mara von Schurr. Sämtliche Werke sind von einer besonderen Aura umgeben. Geboren in Bruck an der Mur, Studium der Bühnengestaltung an der Kunstuniversität Graz, danach Wechsel auf die Universität für Angewandte Kunst in Wien, in zwischenpandemischer Zeit ein Aufenthalt in New York, den sie jäh abbrechen mußte, als das Peking-Virus die Welt plötzlich in Schrecken versetzte. Ihre ersten Werke wurden bereits zur Legende und zum Mythos.

Mehr wollte Patrick nicht über Mara von Schurrs Leben in die Netzseite schreiben. Die Haltung der Künstlerin bezüglich des selbsternannten Kanzlers auf Lebenszeit war bekannt, doch deckten sie ihre sehr betuchten Kunden im Hintergrund. Patrick war nur allzu bewußt, daß die Skulptur aufgrund der Ohren eine nicht gänzlich ungefährliche Anspielung war.

Ob ein Glaskubus über die Skulptur nicht den vollendeten Hauch an Exklusivität verleihen würde, den es für einen gewinnbringenden Verkauf benötige, dachte Patrick. Er überlegte, tippte schließlich die Nummer seines Bekannten aus früheren Tagen, Georg Steiner, auf die Zahlenfelder am Schirm des Mobiltelefons. Georg Steiner, der Glasermeister, mit dem er lange bevor eine chinesische Seuche nach der anderen die Welt heimsuchte, eine lockere Bekanntschaft pflegte, mit ihm öfter im Gasthaus „Zum goldenen Reh“, so einige „Halbe“ leerte.

Georg Steiners Glaserei in Rum war noch nicht geöffnet. Eine Ausnahme werde er für Patrick machen, versprach der Glasermeister, in dessen Stimme zu erkennen war, daß er über Patricks Anruf erstaunt war.

„Das Goldene Reh isch zu, für immer!“ sagte Georg Steiner, bevor er sich verabschiedete.

Zu Patricks Erstaunen erschien der Glasermeister bereist am Morgen des nächsten Tages in der Galerie.  Georg Steiners graue Mähne überraschte Patrick, als er mit einer über Nase und Mund gestülpten Ultraventilmaske eintrat, die er sogleich abnahm, als sich die Tür hinter ihm schloß.

„Läßt du sie wachsen?!“ fragte Patrick, nachdem er Georg mit einer kurzen Handbewegung in die Luft begrüßt hatte.

„Ja, i mach doch kann Analtest, nur wegen dem Friseur!“

„Ist wahr!“, erwiderte Patrick, „ich schneid sie selbst mit der Maschin…! Depperte Analtests! Zeit wird’s, lang kann’s nimmer so gehen…“

Georg Steiner lächelte, wandte sich dem Objekt zu.

„Glasabdeckung, würfelförmig, für den Orsch! Machma“, murmelte er.

„Das ist der Bundeska…“ Patrick biß sich auf die Unterlippe.

Der Glaser nickte und legte seinen Zeigefinger an den Mund. Er lächelte und hielt ihm die Faust zum Gruß entgegen, was Patrick erwiderte.

Nach zwei Tagen brachte Georg Steiner den würfelförmigen Glasschutz, der an den Rändern mit silbern glänzenden, schmalen Seitenschienen versehen war.  Sachte hob Patrick den Glasschutz über das Objekt „Pressekonferenz“ und setzte es ab. Genau am Rand der Marmorplatte schloß der Glasschhutz unten ab. Patrick konnte den Blick vom Objekt nicht mehr abwenden, in diesem vollkommenen Arrengement müßte, dachte Patrick, „Pressekonferenz“ sehr gewinnbringend zu verkaufen sein, was die Galerie bitter nötig hatte.

Es war nach drei Tagen, als aus Salzburg Interesse durch eine Email bekundet wurde, die mit dem Namen Erna Forstinger elektronisch unterzeichnet war. Patrick runzelte die Stirn, nachdem er die Nachricht gelesen hatte. In klaren, kurzen Sätzen bekundete die Frau ihr Interesse am Objekt „Pressekonferenz“, da sie eine Verehrerin Mara von Schurrs sei und eines ihrer Werke äußerst gerne ihr Eigenen nennen würde. Patrick war die Frau unbekannt. Er hätte sie zumindest vom Hörensagen aus der Sammlerszene kennen müssen, die in Österreich in Folge der andauernden, schweren Wirtschaftskrise doch sehr beschaulich war. Er rief Sybille in Wien an, die zwar von ihr als Sammlerin gehört hatte, aber nichts näheres über sie sagen konnte. Im weltweiten Netz war er nach langem Suchen auf die mögliche Käuferin Erna Forstinger gestoßen, Unternehmerin, die während der zweiten Pandemie, der des Nanjing-Virus, vor Jahren ein Vermögen mit ihrer Erfindung von selbstdesinfizierenden Hauspatschen, gemacht hatte.

Patrick beschloß nach längerem Überlegen das Angebot anzunehmen und rief die in der Email angegebene Nummer an. Das Telefonat mit Erna Forstinger gestaltete sich angenehm, wie Patrick empfand. Ein Teil würde gleich überwiesen, der andere Teil nach Erhalt der Skulptur, ihre Stimme klang selbstbewußt, sehr bestimmt, ein wenig dunkel. Sie werde ein Transportunternehmen beauftragen, es würde einige Zeit dauern, da es sich schwierig gestalte, rasch eine Fuhr von ihrem bevorzugten Transportunternehmen zu bekommen. Kein Fahrer würde über das deutsche Eck nach Innsbruck kommen, alle Mitarbeiter würden sich mit heftigem Nachdruck weigern, die für den Grenzübertritt nach Deutschland vorgeschriebenen Analtests zu machen. Patrick grinste, als er Frau Forstingers Lachen beim Erwähnen der Tests hörte.

Er drückte das Schaltquadrat für Beenden auf seinem Mobiltelefon, als sich Frau Forstinger veranbschiedet hatte. Die Skulptur war wesentlich zügiger verkauft worden, als er erhofft hatte. Andererseits empfand Patrick ein wenig Wehmut, da er den Vorgang des Suchens nach Käufern gerne hinausgezögert hätte. Dies hätte, dachte er, seine erdrückenden Ängste vor dem Staat, der Polizei und Behörden, sowie vor dem Chongqing-Virus, das, schenkte man den offiziellen Angaben Glauben, heimtückischer war als seine Vorgänger. Ebenso wäre er von seiner erdrückenden Einsamkeit der Galerie und der Wohnung abgelenkt gewesen. In diesem Augenblick war Patrick sich bewußt, daß die einzige ihm verbliebene Freundin, der einzige Mensch, der sich offenbar noch um sein Ergehen scherte,  Sybille war, die er nicht besuchen durfte. Auch ein Besuch ihrerseits bei ihm wäre unter diesen Umständen unmöglich.

Als das Werk „Pressekonferenz“ nach zwei Wochen abgeholt wurde, fehlte Patrick die Skulptur, an deren Anblick er sich gewöhnt hatte. Ein paar Tage später war eine Kurznachricht in den Kulturspalten der verstaatlichten Zeitungen. Mara von Schurr sei ihrer Alkoholsucht erlegen, hieß es. Er rief Sybille an, die ihm erzählte Mara habe ihrem Leben aufgrund der trostlosen politischen Lage freiwillig ein Ende mit Medikamenten gesetzt, was sie in einem Abschiedsstatement auch verlautbart habe, das nur in den einschlägigen Kreisen bekannt sei.

Patrick wußte, daß die Skulptur in kürzester Zeit unermeßlich an Wert gewinnen würde, sie nur mehr von den begütertsten Sammlern bezahlbar wäre. All seine Probleme finanzieller Art, die sich in all den Jahren aufeinanderfolgender Pandemien angehäuft hatten, wären gelöst gewesen. „Hätte ich sie  nur länger behalten…“ dachte er.  

Fluchtachterl, Februar 2021

Vom Menschen zum infektiösen Gegenstand

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Der Mensch, ein lebendiges, beseeltes Wesen mit Bedürfnissen nach Nähe zu anderen, wurde seit dem Auftreten der chinesischen Seuche allmählich auf einen infektiösen Gegenstand, eine seelenlose, schier gefährliche Sache reduziert. Innerlich erkaltend, vereinzelt und von den Machthabern und deren Lakaien in Angst versetzt, entfernt sich das Menschliche aus den Gesellschaften dieses an Wahn- und Irrsinn so reich gesegneten Erdteils Europa.

Herrschaft durch Angst.

Mithilfe des von der herrschenden Kaste gekauften Tastenklopfertums in den Redaktionsstuben, werden die Menschen in regelmäßigen Abständen verängstigt. Die Kette an Panik hervorrufenden Schlagzeilen darf nicht abreißen. Nach einer kurzen Zeitspanne der Entspannung und Entschärfung von Vorschriften oft schikanöser Natur, wird die Schraube des Panikmachens und Verbietens natürlichster menschlicher Verhaltensweisen wieder kräftig angezogen.

Das Befürworten, das Schreien nach einem paternalistischen, sprich autoritären, Staat
ist ein Akt der Selbstunterwerfung, wie der Wunsch nach Unterwerfung der anderen. Das Gefühl für Demokratie, durch Verfassungen garantierte Grundrechte, Meinungs- und Redefreiheit ist leider in Europa (mit Ausnahme der Schweiz, die allerdings derzeit unter Druck der allgemeinen, durch die chinesische Seuche beherrschten, Politik einen gleichen, gefährlichen Weg einschlägt) nicht sonderlich ausgeprägt. Die Bereitschaft sich zu unterwerfen, hoffend, möglicherweise einer bedrohlichen Lage zu entkommen, ist die Voraussetzung für die entstandene Herrschaft durch Angst. Viele, zu viele, lassen es mit sich geschehen, werden vom Bürger zum Untertan, am Ende zum Gegenstand, der unter Dauerverdacht steht, den chinesischen Virus in sich zu tragen. Die zu Regimen gewandelten Regierungen üben stets mehr Druck aus. Die Menschen sollen gebrochen, durch die ständig wechselnden Schikanen völlig erschöpft und schlußendlich willenlos werden.

Handelte es sich tatsächlich um wahre, ehrliche Besorgnis ob des von China ausgehend sich weltweit verbreitenden Virus, wären andere Handlungsweisen und vor allem vorausschauende, mittelfristige Planung erfolgt. Es wäre mit den Menschen anders umgegangen worden als es die Machthaber in Europa, wenn nicht gar der gesamten westluichen Welt, derzeit tun. Die Vorgehensweise entspricht nicht der aus dem Volk durch das Volk gewählter Regierungen, sondern der von oben herab befehlender, autortiärer Regime, wie man sie aus Weltgegenden außerhalb des Abendlandes zur Genüge kennt. Bloß, den Menschen zu einem infektiösen Verdachtsgegenstand zu degradieren ist einzigartig. Was aus den einst freien, lebenswerten Gesellschaften noch wird, bleibt wohl dem Schicksal überlassen. Den Menschen scheint die Kraft auszugehen, noch dafür zu einzutreten, zumal die Menge an Mitläufern, besonders eifrigen Erfüllungsgehilfen der Machthaber und Denunzianten nicht gerade gering zu sein scheint. In Österreich schützt uns noch (sic) die Verfassung vor allzu erbarmungslosen Übergriffen der Mächtigen. Wie lange noch?

(c) Fluchtachterl, 15.1.2021

Zwotausendzwanzig (und folgende?) – ein Abgesang

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Hätte man es sich vor genau einem Jahr träumen lassen, daß dieses Jahr zu einem schwarzen Loch werden könnte? Ein völlig verlorenes, nutzloses und uns demütigendes Jahr? Dank eines chinesischen Virus, das über die gesamte Welt verbreitet wurde, veränderte sich unser gesamtes Leben in einen Albdruck.

Die Geißel aus China war ein völlig neuer, unbekannter Krankheitserreger. Sämtliche Länder dieser Erde verordneten Ausgangsbeschränkungen oder gar -sperren, ließen das gesamte Leben auf kleinste Sparflamme herunterdrehen.  Wir wurden als „Helden“ bezeichnet, weil der größte Teil von uns zu Hause eingesperrt auf den Sofas knotzend immer fetter wurde. Dies bescherte uns anfangs ein gewisses Gefühl des Zusammenhalts.

Nach den sommerlichen Lockerungen begann die chinesische Seuche zu Beginn des Herbsts wieder zu toben, so man den offiziell bekannt gegebenen Zahlen Glauben schenken will, woraufhin die Regierungen im gesamten Erdteil Europa endgültig zu Regimen wurden. 

Die größten Verlierer zwotausendzwanzig waren Demokratie und Grundrechte

Wenn zwotausendzwanzig etwas lehrte, war es, daß die Demokratie, die Grundrechte der einzelnen Menschen, nicht nur in Österreich, sondern im gesamten Erdteil Europa, auf wackeligen, tönernen Füßen stehen. Es bedarf nur eines zugegebenermaßen sehr bedrohlichen Ereignisses wie eine sich weltweit verbreitende Krankheit aus China, um für längere Zeit die Grundrechte großteils auszuschalten. Grundrechte, für die Jahrhunderte gekämpft wurde, für die sich Menschen unter größten Gefahren und Widrigkeiten eingesetzt hatten, man fegte sie hinweg mit einfachsten Federstrichen. Nur vereinzelt waren Stimmen zu vernehmen, die fragten und noch fragen, ob das chinesische Virus dies rechtfertige. Hinterfragende werden ungern gesehen in diesen Zeiten. Der Schrei nach dem Kollektiv, nach einem nicht näher definierten „Wir“, das anfangs für kurze Dauer eine Art fiktives Aneinanderklammern in Angst war, blieb dennoch nur das Trugbild von zwangsweise zu Hause eingeigelten, voneinander abgetrennten Individuen. Die Demokratie, die freie Gesellschaft, kennen „Wir“ nur eingeschränkt, da ihr Lebenselixier der freie Mensch als Individuum ist, der in einem Umfeld lebt, das durch für das Zusammenleben notwendige Grundregeln und den Rechtsstaat bestimmt ist.

In Österreich und allen anderen Ländern Europas diente und dient das chinesische Virus, so hat es den Anschein, als Versuch, ohne großen Widerspruch Überwachungsmechanismen einzuführen und Grundrechte auszusetzen oder gar abzuschaffen (was derzeit noch nicht abzuschätzen ist).  Dergestalt zerfransen schleichend die in der Verfassung verankerten Grundrechte des Einzelnen, sowie die freie Gesellschaft als solche. Ja, jetzt wissen auch wir in Österreich, was es heißt, in einem beginnend autoritären System zu leben. Nicht mehr nachvollziehbare Vorschriften, Vorschläge von Zwangsmaßnahmen, ein beleidigter, stets autoritärer werdender Jungkanzler, der berserkert, indem er die nunmehr Untertanen schikaniert, weil sie nicht in Scharen und Reih und Glied zu den von ihm gewünschten Massentests marschiert sind wie unter Mao. Folglich wird eine Schikane nach der anderen ausgeheckt.

Der Schreiber dieser Zeilen ist wohl nicht der einzige, der mittlerweile mehr Angst vor der Regierung sowie der Polizei hat als vor dem chinesischen Virus. Aber nicht nur in Österreich, der ganze Erdteil Europa ist zu einem bedrückenden, hoffnungslosen Ostblock geworden.

Mit all den abstoßenden Erscheinungen, die bereits in beginnenden autoritären Systemen aufkommen, wie Unterwürfige, die all jene, die sich nicht einreihen ins betreute Denken des von den Machthabern erwünschten Kollektivs verachten. Menschen, die sich für Zwangsmaßnahmen aussprechen sind jene, die Demokratie, Grundrechte und freie Gesellschaft im Grunde ihres Herzens ablehnen und die totalitären Herrschaftsformen nachgerade herbeisehnen. Sie verhöhnen all jene, die sich in der Vergangenheit für Demokratie, eine freie, rechtsstaatlich verfaßte Gesellschaft mit Grundrechten für das Individuum einsetzten, dafür kämpften, unter größten Entbehrungen, Gefahren und Widrigkeiten.

Der schlimmste Auswuchs eines in seinen Anfängen befindlichen autoritären System ist der Vernaderer, das Denunziantentum. Der Genuß des Vernaderers, auch tatsächlich auf der derzeit „richtigen“ Seite zu stehen und dies dadurch zu beweisen, indem man Menschen, die man kennt und die sich nicht gemäß der neuen Doktrin verhalten, bei Behörden meldet und die Angezeigten Schwierigkeiten bekommen.

Merkwürdigerweise sind die westeuropäischen Länder, die zum Teil einstmals Vorbilder an freier Gesellschaft und Demokratie waren, tiefer ins Autoritäre gesunken als die Länder Mitteleuropas. In einigen westeuropäischen Ländern wurde selbst die Unverletzlichkeit der eigenen vier Wände aberkannt, oder Bürger mußten sich für das einfache Verlassen der Wohnung schriftlich (sic)  rechtfertigen. Abgesehen von der Slowakei, wo der Zwang zu massenhaftem Testen als Flop endete und dem jungen Neodespoten ohne Ausbildung in Österreich trotzdem als Vorbild diente, ließ man den Menschen etwas mehr Spielraum, um zu leben. Ein Gulasch-Regime in Ungarn, ein Serviettenknödel-Regime in Tschechien und dank unserer Verfassung (noch) ein Tafelspitz-Regime in Österreich, das aber bald schlimmer werden könnte.

In Österreich schützt uns (noch) die Verfassung vor allzu heftigen Übergriffen des mittlerweile Regimes auf unsere ohnehin bereits geschrumpften Grundrechte. War die Polizei bis vor Ausbrechen der chinesischen Seuche helfender Partner des Bürgers, ist sie nun nebst dem Staat und seinen Behörden Grund, Angst zu haben. Ratsam, ihr so gut es geht, aus dem Weg zu gehen, wie es schlechtweg  besser ist, möglichst unterhalb des Wahrnehmungsradars des Staates und seiner Institutionen zu überleben. Sofern dieser es einem noch ermöglicht.

Die unerträgliche Öde

Es war ein humor-, geist- und kulturloses Jahr. Es war das Jahr der sauertöpfischen, moralinsauren Langweiler, die den Ton angaben und immer noch angeben. Abgesehen von ausgesprochen wenigen Lichtblicken, hatte man jeder Kultur das Licht abgedreht. Stattdessen gab und gibt es Zahlen, die man glauben kann oder auch nicht. Täglich werden sie einem nahezu aufgezwungen. Gleich der Szene in Orwells Dystopie „1984“,  wo Winston seinen Nachbar trifft und die beiden sich über angeblich erfolgreiche Produktionssteigerungen unterhalten, sprechen viele heute über Infektionszahlen. Geist- und humorloser kann eine Zeit wohl nicht mehr werden, in der solche Gesprächsinhalte den zwischenmenschlichen Austausch bestimmen. Für die geistige Gesundheit nicht förderlich.

Die Kaltschnäuzigkeit der Politik hat die Sprache bereits vergiftet bis hinein in Zunge und Schrift des alltäglichen Lebens. Wird sich die Sprache gegen diese an ihr verübten Gewaltakte der Vergiftung wehren können, wird sie Begriffe wie „Verweigerer“, „Leugner“,  sämtliche andere Worte mit all dem bösartigen, gemeinen Unterton abschütteln können, der Menschen etwa gar bis hin zum äußerlich Wahrnehmbaren in Form von sichtbaren Merkmalen kennzeichnen soll?

An dem, was der Sprache angetan wird, erkennt man zuerst in welcher Zeit man sich befindet. Bereits seit längerem in keiner guten, seit zwotausendzwanzig in einer gefährlichen.

Müßig auch, die allererbärmlichste Rolle zu erwähnen, die in dieser Zeit gespielt wurde und wird: die von den Machthabern gekaufte Lohnschreiberei in den Redaktionsstuben, das nun endgültig zur verbalen Hetäre verkommene Tastenklopfertum. Wie sie sich einreihen in die verordnete „Neue Normalität“, brav und gehorsam die gewünschte Propaganda in den einander gleichenden Gazetten und Postillen verbreiten. Kein Hinterfragen, kein freches Anzweifeln der seltsamen Verordnungen, die sich wöchentlich ändern. Obendrein werden in manchen Blättchen autoritäre Methoden befürwortet und sogar noch strengere Vorgangsweisen gewünscht, was jede Militärregierung in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in entzücktes Jubeln versetzt hätte. Derlei aber hier in diesem Land, in dieser Zeit, zu lesen, gleicht einem Messerstich in die Brust. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, daß die Befürworter von Zwang und Autoritärem all jene geringschätzen, die sich in der Vergangenheit unter Gefahren für die Freiheit in unserem Land eingesetzt hatten.

Recherchierte Berichte und Betrachtungsweisen aus verschiednen Blickwinkeln muß man sich mühevollst in Übersee zusammensuchen im weltweiten Netz, solange man es uns nicht einschränkt. In diesen Zeiten scheint alles möglich.

Schlußfolgerung

Warum überhaupt über dieses schwarze Loch, dieses völlig verlorene Jahr schreiben?  Die folgenden Jahre werden entscheidend sein, ob wir in einer autoritären Dystopie oder wieder in einer freien Gesellschaft leben werden. Denn nur in einer freien Gesellschaft der Individuen kann sich der Geist entfalten und Großes und Schönes hervorbringen. Das Kollektiv benötigt das Totalitäre, die Masse ist dumpfer Ungeist. Die Freiheit liegt nicht im „Wir“, sondern im „Ich unter den anderen“. Das Anderssein ist Bedingung für die Freiheit, die eigene und die der Mitmenschen.

Österreich und die anderen Länder Europas haben einen gefährlichen Weg eingeschlagen. Ob wir da jemals wieder den Ausweg finden?  Es bleibt zu hoffen, daß dies nur ein Albdruck von geringer Dauer bleibt. Gleichwohl angesichts der Zustände und Übergriffe auf die Freiheit, Schlimmes zu befürchten ist, da die freie Gesellschaft offenbar zu wenig Befürworter hat, was unter anderem an unserer Geschichte liegen dürfte. Dennoch darf der Einsatz für die Freiheit, für das Gute und Schöne, das nur sie zu geben imstande ist, nicht ermatten! Dieses Lehrstück müssen wir aus der dumpfen, geistlosen Zeit des soeben zu Ende gegangenen Jahres zwotausendzwanzig mitnehmen.

Fluchtachterl, 2.1.2021